Stadt der Bäder

Bäder, Schönheitsfarmen und Freibäder sind feste Bestandteile des Lebens in Budapest und dienen das ganze Jahr über als Oasen der Familienunterhaltung, des Wohlbefindens und seit kurzem auch als Veranstaltungsorte sensationeller Pool-Parties. Budapest ist auch deshalb eine außergewöhnliche Hauptstadt, weil sie über eine Fülle an Thermalquellen und wasserführenden Schichten verfügt und so in der Lage ist, acht therapeutische Heilbäder und mehrere Freibäder mit Thermalwasser, dessen positive gesundheitliche Wirkung erwiesen ist, zu betreiben. Die archäologischen Funde aus 18 römischen Bädern (am Standort eines dieser Bäder befindet sich heute das Freibad „Római Lido") in der Nähe von Aquincum belegen, dass diese Thermalquellen schon in alten Zeiten populär waren.

Ihre Blütezeit hatte die Badekultur zur Zeit der türkischen Besatzung im 16. und 17. Jahrhundert, als Baden ein wichtiger Teil des sozialen und religiösen Lebens war. Von den acht damals gebauten Bädern werden heute noch zwei in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt: das Rudas-Bad und das Király-Bad (beide in Buda). Im Laufe der Jahre wurde das Rudas-Bad um einige Becken und Anlagen zur Gesundheitspflege erweitert, die unter einer Kuppel befindlichen türkischen Bereiche des Gebäudes haben sich jedoch ihre ursprüngliche Anordnung bewahrt, die aus einem zentralen Becken besteht, um das sich kleinere Becken mit Wasser unterschiedlicher Temperaturen bis 42° C befinden. Früher war das Rudas-Bad Männern vorbehalten. Seit seiner Renovierung im Jahre 2005 steht es an gewissen Tagen beiden Geschlechtern offen, insbesondere während der nächtlichen Veranstaltungen an den Wochenenden, die für jeden Besucher Budapests ein absolutes Muss darstellen.

Das dritte goldene Zeitalter der Badekultur Budapests begann in der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. und dauert bis zum heutigen Tag an. Die Balneologische Gesellschaft wurde mit dem Ziel gegründet, den gesundheitlichen Nutzen der unter Budapest entdeckten Thermalquellen zu untersuchen und bekanntzumachen. Damals wurde auf der Margareteninsel der erste Heißwasser führende artesische Brunnen gebohrt, der zweite wurde im Stadtpark angelegt.

Alte Bäder wurden renoviert und neue errichtet – heutzutage bieten diese Bäder nicht nur Heilwirkungen und Erholung an sondern sind auch bedeutende Touristenattraktionen, wobei die populärsten das Gellért-Bad, das Lukács-Bad und das Széchenyi-Bad sind. Der größte Heilbadkomplex nicht nur Ungarns sondern ganz Europas, das Széchenyi-Bad, beging 2013 den 100. Jahrestag seiner Eröffnung. Im verschwenderisch geschmückten Bau befinden sich mehrere Innenbecken und Freibecken, deren Thermalwasser sich besonders heilsam auf die Gelenke auswirken. Auch Massagen und Heilbehandlungen lassen sich in Anspruch nehmen. Das Bild badender Menschen, die neben den Wasserfreuden eine Partie Schach spielen, ist inzwischen zu einem der einprägsamsten Symbole Budapests geworden. Nach Anbruch der Dunkelheit beginnt sich eine vollkommen andersgeartete Szene zu entfalten. Im Sommer wird das Széchenyi-Bad, auch unter seinem populären Namen „Szecska" bekannt, jeden Samstag Abend von jungen Partygängern bevölkert, die sich nach der einzigartigen Feierstimmung sehnen und in den Genuss der Pool-Party mit den DJs, Drinks und Live-Vorstellungen kommen möchten.